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Grundlagen · 4 Min. Lesezeit

ETF-Sparplan einrichten: Die drei Entscheidungen, die zählen

Wer einen Sparplan aufsetzt, entscheidet dreimal. Alles andere lässt sich später ändern, ohne dass es dich Vermögen kostet.

Du bist wahrscheinlich schon investiert

Wer in Deutschland ein Girokonto hat, bekommt irgendwann einen Termin beim „Anlageberater“ angeboten. Am Ende liegt dann ein Fonds im Depot, der 1,4 Prozent Kosten im Jahr nimmt und dessen Name man sich nach zwei Jahren nicht mehr merken kann.

Das ist kein Betrug. Es ist nur teuer. Und es ist der Grund, warum so viele Menschen glauben, sie hätten „noch nicht angefangen“ – obwohl sie längst investieren, nur eben zu schlechten Bedingungen.

Ein ETF-Sparplan ist nichts anderes als dieselbe Idee, ohne den teuren Zwischenhändler.

Drei Entscheidungen, mehr braucht es nicht

Wer einen Sparplan aufsetzen will, trifft genau drei Entscheidungen. Der Rest ist Handwerk und jederzeit korrigierbar.

1. Welcher Markt

Für die meisten privaten Anleger reicht ein breit gestreuter Weltindex. Ein MSCI World enthält rund 1.250 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Ein MSCI ACWI nimmt zusätzlich Schwellenländer mit und kommt auf rund 2.400 Titel, ein FTSE All-World auf rund 4.300.

Ob du dich für die eine oder die andere Variante entscheidest, ist weniger wichtig, als es in Foren dargestellt wird. Wichtig ist, dass du überhaupt breit streust und dabei bleibst.

2. Welches Produkt

Hier gibt es drei Kriterien, die tatsächlich zählen:

  • Laufende Kosten (TER) – der größte, aber nicht der einzige Kostenblock, den du jedes Jahr bezahlst, ob der Markt steigt oder fällt. Orderkosten und die Differenz zwischen TER und tatsächlich abgebildeter Rendite kommen dazu. Ein Unterschied von 1,3 Prozentpunkten pro Jahr klingt klein. Über 30 Jahre ist er alles andere als klein: Aus 100.000 Euro werden bei 5 Prozent Bruttorendite und 1,5 Prozent Kosten rund 281.000 Euro, bei 0,2 Prozent Kosten rund 408.000. Das sind rund 46 Prozent mehr.
  • Fondsvolumen – ein Fonds mit weniger als etwa 100 Millionen Euro kann irgendwann geschlossen oder verschmolzen werden. Das ist kein Weltuntergang, aber vermeidbarer Aufwand.
  • Thesaurierend oder ausschüttend – bei thesaurierenden Fonds werden Dividenden automatisch reinvestiert, bei ausschüttenden Fonds landen sie auf deinem Konto. Für den Vermögensaufbau ist thesaurierend meist einfacher, weil du nichts nacharbeiten musst. Ausschüttend kann sinnvoll sein, wenn du den Sparer-Pauschbetrag jährlich gezielt nutzen willst.

Achte außerdem darauf, dass der Fonds als Aktienfonds im Sinne des § 2 Abs. 6 InvStG gilt. Nur dann greift die 30-prozentige Teilfreistellung, die deine Steuerlast auf Erträge spürbar senkt.

3. Welches Depot

Ein Online-Depot bei einer deutschen Bank oder einem Broker reicht. Worauf du achtest: keine jährliche Depotgebühr, kostenlose oder günstige Sparplanausführung und ein Anbieter, den du im Zweifel auch telefonisch erreichst.

Lass dich nicht von Neukundenprämien leiten. Ein Anbieter mit 50 Euro Startguthaben und 1,90 Euro pro Ausführung ist nach zehn Jahren teurer als einer ohne Prämie, der kostenlos ausführt: 1,90 Euro × 12 × 10 Jahre sind 228 Euro.

Wie oft du kaufst, ist erstaunlich unwichtig

Monatlich, quartalsweise oder einmal im Jahr: Ein systematischer Vorteil für eine der Varianten lässt sich in historischen Renditereihen nicht nachweisen. Der Grund ist simpel. Was zählt, ist die Zeit im Markt, nicht der Tag, an dem du kaufst.

Monatlich ist trotzdem der Standard, und zwar aus einem psychologischen Grund: Es ist einfacher, 300 Euro monatlich abzubuchen, als einmal im Jahr 3.600 Euro zu überweisen. Der Plan läuft, ohne dass du jedes Mal entscheiden musst.

Was du in einem schlechten Jahr nicht tun solltest

2022 fiel der MSCI World in US-Dollar um rund 18 Prozent – in Euro gerechnet um rund 13 Prozent, weil der Dollar gleichzeitig zulegte. Wer in diesem Jahr seinen Sparplan ausgesetzt hat, weil „die Lage unsicher war“, hat genau die Anteile nicht gekauft, die ein Jahr später deutlich mehr wert waren.

Das ist der einzige echte Fehler, den man mit einem Sparplan machen kann: ihn in der Krise stoppen. Ein Sparplan ist keine Wette darauf, dass es jetzt hochgeht. Er ist eine Wette darauf, dass es über Jahrzehnte hochgeht, und dafür brauchst du auch die Jahre, in denen es ungemütlich ist.

Was noch fehlt

Ein Sparplan ersetzt keinen Notgroschen. Bevor du den ersten Euro in einen ETF steckst, sollte der Puffer für drei bis sechs Monatsausgaben liegen. Sonst verkaufst du im ersten Jahr der Krise die Anteile, die du gerade gekauft hast.

Und ein Sparplan ersetzt keine Beschäftigung mit dem Ziel. Wer 500 Euro im Monat anlegt und nie ausrechnet, was daraus bis zu welchem Alter wird, weiß nicht, ob die Zahl am Ende reicht. Genau diese Rechnung macht der Sparpfad-Rechner auf der Startseite.

Rechne nach, wie lange du mit deiner Sparrate bis zur Genugzahl brauchst.

Zum Sparpfad

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung.