Genugzahl

Grundlagen · 4 Min. Lesezeit

Notgroschen: Wie viel wirklich reicht

Die meisten rechnen ihren Puffer zu klein. Nicht aus Leichtsinn, sondern weil sie ihn am Gehalt festmachen statt an dem, was tatsächlich jeden Monat rausgeht.

Der Kühlschrank gibt selten vorher Bescheid

Es ist ein Dienstag im Februar, kurz nach acht. Der Kühlschrank brummt seit einer Stunde zu laut, und als du die Tür öffnest, ist es innen warm. Ein Techniker kommt frühestens Donnerstag. Ein neuer kostet zwischen 600 und 900 Euro, je nach Größe – und danach, ob du ihn sofort brauchst.

Solche Dinge passieren nicht dann, wenn es dir gerade passt. Sie passieren in dem Monat, in dem die Autoreparatur schon 700 Euro gekostet hat und die Nebenkostennachzahlung im Briefkasten liegt.

Genau dafür gibt es den Notgroschen. Nicht als Projekt, nicht als Renditeobjekt, sondern als Puffer zwischen dir und einer Entscheidung, die du sonst aus Panik treffen würdest.

Was er wirklich schützt, ist nicht das Geld

Der offensichtliche Zweck ist klar: Rechnungen bezahlen, ohne einen Kredit aufzunehmen oder das Konto zu überziehen. Der wichtigere Zweck ist weniger sichtbar.

Stell dir vor, der Notgroschen wäre nicht da. Der Markt steht gerade 20 Prozent unter seinem Höchststand, du hast seit zwei Jahren einen Sparplan laufen, und jetzt brauchst du 3.000 Euro. Also verkaufst du Anteile. Genau in diesem Moment. Nicht weil du es wolltest, sondern weil du musstest.

Das ist der eigentliche Schaden. Nicht die Reparatur, sondern der Verkauf zum falschen Zeitpunkt. Wer einen Notgroschen hat, kann eine schlechte Börsenphase aussitzen, ohne etwas anzufassen. Das ist mehr wert als die Zinsen, die auf einem Tagesgeld auflaufen.

Drei, sechs oder zwölf Monate?

Die Faustregel „drei bis sechs Nettomonatsgehälter“ ist verbreitet – die Verbraucherzentrale nennt dagegen zwei bis drei Monatsgehälter. Der Unterschied kommt daher, dass die eine Regel am Gehalt ansetzt und die andere an den Ausgaben. Sie ist brauchbar, aber sie greift zu kurz, weil sie auf das Einkommen schaut und nicht auf die Ausgaben. Wenn du 4.500 Euro verdienst und 2.800 Euro ausgibst, brauchst du nicht 27.000 Euro, sondern eher 8.400 bis 16.800.

Wie viele Monate es sein müssen, hängt von drei Fragen ab:

  • Wie sicher ist dein Einkommen? Beamte und unbefristet Beschäftigte in einem großen Betrieb kommen mit drei Monaten aus. Wer in einer Agentur, einem Start-up oder in der Probezeit arbeitet, sollte sechs einplanen.
  • Wer hängt an dir? Bei zwei Kindern und nur einem Verdiener sind sechs Monate die Untergrenze. Fällt das Einkommen weg, läuft der Alltag trotzdem weiter: Kita, Versicherungen, Auto, Miete.
  • Arbeitest du selbstständig? Dann sind neun bis zwölf Monate realistisch. Nicht weil Selbstständige vorsichtiger sind, sondern weil Aufträge wegbrechen können, während die Fixkosten bleiben.

Rechne mit deinen Ausgaben, nicht mit deinem Gefühl

Der häufigste Fehler ist, nur die Miete zu nehmen und dann großzügig aufzurunden. Das unterschätzt den Bedarf fast immer. Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern in einer deutschen Großstadt liegt schnell bei 5.000 bis 5.900 Euro im Monat, wenn man Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität, Kinderbetreuung und Rücklagen mitzählt.

Nimm die letzten drei Kontoauszüge und zähle, was tatsächlich rausgegangen ist. Nicht was du glaubst, dass rausgeht. Die Differenz zwischen beidem ist oft erstaunlich groß – und die tatsächlichen Ausgaben liegen fast immer über der Schätzung.

Wo das Geld liegen sollte

Der Notgroschen gehört nicht in einen ETF. Nicht weil ETFs schlecht sind, sondern weil du im Moment des Bedarfs verkaufen müsstest, und dieser Moment fällt selten mit einem guten Kurs zusammen.

Der Standard ist ein Tagesgeldkonto. Wichtig ist, dass die Bank ihren Sitz in der EU oder im Europäischen Wirtschaftsraum hat: Einlagen sind bis 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt, wenn eine Bank ausfällt. Bei größeren Beträgen verteilst du das Geld auf zwei Institute.

Festgeld ist nur dann sinnvoll, wenn du sicher bist, dass du das Geld in den nächsten zwölf Monaten nicht brauchst. Für einen echten Notgroschen ist das die falsche Frage, denn genau das weiß man vorher nicht.

Der teure Fehler: zu viel auf dem Girokonto

Manche bauen einen Puffer von 50.000 Euro auf dem Girokonto auf und nennen das Sicherheit. Bei zwei Prozent Inflation verliert dieses Geld in fünf Jahren rund zehn Prozent seiner Kaufkraft. In zwanzig Jahren ist ein Drittel davon weg.

Sicherheit ist kein Betrag, der immer weiter wächst. Es ist eine Größe, die zu deiner Situation passt. Alles darüber gehört in eine Anlage, die arbeitet.

Und was hat das mit der Genugzahl zu tun?

Der Notgroschen ist nicht Teil der Genugzahl. Er ist die Schicht davor. Die Genugzahl rechnet mit deinen laufenden Ausgaben und dem Vermögen, aus dem diese Ausgaben dauerhaft bezahlt werden. Der Notgroschen deckt das, was unregelmäßig kommt und sich nicht planen lässt.

Wer beides vermischt, bekommt eine Zahl, die zu niedrig ist und sich gut anfühlt. Wer beides getrennt hält, weiß in einer schlechten Woche genau, wo er greifen kann, ohne den langfristigen Plan anzufassen.

Wie weit bist du schon? Trag dein Vermögen ein und sieh, wie viel dir bis zur Genugzahl fehlt.

Zum Rechner

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung.