Genugzahl

Grundlagen · 3 Min. Lesezeit

Passives Einkommen: Sieben Quellen im Realitätscheck

„Geld verdienen im Schlaf“ – kaum ein Versprechen wird online öfter verkauft. Wir sortieren nüchtern: Was ist wirklich passiv, was bringt es ungefähr, und was kann schiefgehen?

Was „passiv“ hier heißt

Passiv ist Einkommen, für das du keine laufende Arbeitszeit aufwendest – einmal eingerichtet, fließt es weiter, auch wenn du drei Monate verreist. Für finanzielle Freiheit im Sinne von Genugzahl zählt außerdem: Die Quelle muss dauerhaft sein und darf dein Vermögen nicht aufzehren.

1. Breit gestreute Aktien-ETFs

Wie passiv: sehr. Ein Sparplan läuft automatisch, Rebalancing einmal im Jahr genügt.
Was es bringt: Weltweite Aktienindizes wie der MSCI World brachten über Jahrzehnte im Schnitt rund 7 bis 8 % pro Jahr. Nur ein kleiner Teil davon sind Dividenden, der größere Teil kommt aus Kursgewinnen. Für die Planung rechnen vorsichtige Anleger mit weniger.
Risiko: Kursrückgänge von 30 bis 50 % kommen vor und können Jahre dauern. Wer in der Krise verkauft, macht Verluste endgültig.

2. Dividendenstrategien

Wie passiv: sehr.
Was es bringt: Ausschüttungen fühlen sich wie „echtes“ Einkommen an. Rechnerisch ist eine Dividende aber nichts anderes als eine Entnahme aus dem Unternehmen – der Kurs sinkt um den ausgeschütteten Betrag. Entscheidend ist die Gesamtrendite, nicht die Ausschüttungsquote.
Risiko: Wer nur auf hohe Dividenden schaut, landet oft in wenigen Branchen und streut schlechter. Ausschüttungen werden sofort versteuert.

3. Zinsen: Tagesgeld, Festgeld, Anleihen

Wie passiv: völlig.
Was es bringt: Sicherheit und Planbarkeit. Einlagen sind in der EU bis 100.000 € pro Kunde und Bank gesetzlich geschützt.
Risiko: Langfristig liegen die Zinsen oft nur knapp über oder sogar unter der Inflation. Als alleinige Quelle für finanzielle Freiheit reicht das selten – als sicherer Baustein ist es unverzichtbar.

4. Vermietete Immobilien

Wie passiv: mittel. Mietersuche, Reparaturen, Nebenkostenabrechnung und Leerstand kosten Zeit – oder Geld für eine Hausverwaltung.
Was es bringt: In den acht größten deutschen Städten liegt die Bruttomietrendite nach unseren Daten bei etwa 3,1 bis 4,1 %. Nach Kaufnebenkosten, Instandhaltung und Steuern bleibt deutlich weniger. Der Hebel über einen Kredit kann die Eigenkapitalrendite steigern – und die Verluste ebenso.
Risiko: Klumpenrisiko (ein Objekt, ein Ort), schwer verkäuflich, Mietrecht.

5. Digitale Produkte und Online-Business

Wie passiv: weniger, als die Werbung verspricht. E-Books, Kurse, Apps oder Nischenseiten brauchen viel Arbeit am Anfang und regelmäßige Pflege, sonst versiegen die Einnahmen.
Was es bringt: sehr unterschiedlich – von nichts bis viel. Es ist eher ein Unternehmen als eine Kapitalanlage.
Risiko: Abhängigkeit von Plattformen und Algorithmen. Für die Genugzahl sollte man solche Einnahmen höchstens als Bonus einplanen.

6. P2P-Kredite und Crowdinvesting

Wie passiv: hoch.
Was es bringt: Hohe versprochene Zinsen.
Risiko: Hohe Zinsen sind der Preis für hohes Ausfallrisiko. Plattformen können insolvent werden, Rückzahlungen ausfallen. Allenfalls eine kleine Beimischung für Erfahrene.

7. Gesetzliche und betriebliche Rente

Wie passiv: völlig – ab Rentenbeginn.
Was es bringt: Eine lebenslange, inflationsangepasste Zahlung. Im Genugzahl-Rechner kannst du sie unter „Annahmen anpassen“ eintragen: Sie senkt, was du heute ansparen musst.
Risiko: Sie beginnt erst spät und ist meist niedriger als das letzte Gehalt.

Fazit

Für dauerhaft passives Einkommen ohne Vermögensverzehr führt kaum ein Weg an einem breit gestreuten, kostengünstigen Wertpapierdepot vorbei, ergänzt um einen sicheren Zinsanteil. Immobilien und Online-Einnahmen können ergänzen, sind aber weniger passiv, als sie wirken. Und bei allem, was ungewöhnlich hohe Erträge „ohne Risiko“ verspricht, gilt: Das gibt es nicht.

Wie viel Vermögen brauchst du dafür? Der Rechner zeigt es dir – und wie lange der Weg dahin dauert.

Zum Rechner

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Wir nennen bewusst keine einzelnen Produkte oder Anbieter.