Genugzahl

Grundlagen · 3 Min. Lesezeit

Was finanzielle Freiheit wirklich bedeutet – und warum die Definition über Millionen entscheidet

„Ab wann bin ich finanziell frei?“ Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt davon ab, was du unter Freiheit verstehst. Drei Definitionen, drei sehr unterschiedliche Zahlen.

Die gemeinsame Idee: Geld arbeitet, du nicht

Allen Definitionen gemeinsam ist der Grundgedanke: Dein Vermögen erwirtschaftet so viel, dass du nicht mehr für Geld arbeiten musst. Unterschiedlich ist, wie streng man dabei mit dem Vermögen selbst umgeht – und genau das verändert die nötige Summe dramatisch.

Definition 1: Die ewige Rente (so rechnet Genugzahl)

Du lebst ausschließlich vom realen Ertrag deines Vermögens. Den Teil der Rendite, der nur die Inflation ausgleicht, investierst du wieder. Ergebnis: Dein Vermögen behält dauerhaft seine Kaufkraft. Es reicht für immer, und du kannst es am Ende vollständig vererben.

Mit 5 % Rendite, 2 % Inflation und deutscher Abgeltungsteuer bleiben rund 2,45 % pro Jahr zum Ausgeben. Für 1.000 € monatliche Ausgaben brauchst du damit etwa 490.000 €.

Definition 2: Die 4-Prozent-Regel

Die bekannteste Faustformel der FIRE-Bewegung („Financial Independence, Retire Early“) stammt aus einer US-Studie von 1998. Du entnimmst im ersten Jahr 4 % deines Vermögens und passt den Betrag danach an die Inflation an. In historischen US-Daten hielt das Portfolio damit meist mindestens 30 Jahre.

Für 1.000 € monatlich wären das nur 300.000 € – aber mit zwei Haken: Das Vermögen darf dabei aufgebraucht werden, und Steuern sind nicht eingerechnet. Für deutsche Anleger nennen Ratgeber deshalb eher 3 bis 3,5 % als vorsichtige Entnahmerate.

Definition 3: Teilweise Freiheit

Viele wollen gar nicht ganz aufhören, sondern weniger arbeiten. Im FIRE-Jargon heißt das „Barista FIRE“ (ein kleiner Job deckt einen Teil der Kosten) oder „Coast FIRE“ (man hat genug angespart, dass es bis zur Rente von allein wächst, und muss nur noch die laufenden Kosten verdienen). Die nötige Summe ist hier am kleinsten – aber du bist weiter auf Arbeitseinkommen angewiesen.

Der Vergleich auf einen Blick

DefinitionVermögen bleibt erhalten?Bedarf für 1.000 €/Monat
Ewige Rente (Genugzahl)Ja, real≈ 490.000 €
3,5 %-EntnahmeNein, langsamer Verzehr≈ 343.000 €
4-Prozent-RegelNein, darf aufgebraucht werden≈ 300.000 €
Teilweise FreiheitHängt vom Nebenjob abdeutlich weniger

Welche Definition ist die richtige?

Keine ist „falsch“. Die ewige Rente ist die sicherste: Sie hält auch, wenn du sehr alt wirst, wenn die Märkte ein schwaches Jahrzehnt erwischen oder wenn du etwas vererben willst. Die 4-Prozent-Regel ist realistisch für Menschen, die später ohnehin eine gesetzliche Rente bekommen und im hohen Alter Kapital verbrauchen wollen.

Wichtig ist nur, dass du weißt, welche Zahl du gerade betrachtest. Wer „300.000 € reichen“ liest und damit eine lebenslange, unantastbare Rente meint, erlebt später eine böse Überraschung.

Rechne deine eigene Zahl aus – mit deiner Stadt, deinem Haushalt und deinen Ausgaben.

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Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung.